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Reporter

Information: Dieser Video Podcast wird per Ende Juli 2021 eingestellt. Künftige und bisherige Episoden finden Sie auf unserem Play SRF Portal (www.srf.ch/play). Die Reportagen rücken Menschen ins Zentrum. Gezeigt werden deren Schicksale und Abenteuer.

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Mein Brieffreund in der Todeszelle

Will man jemanden in sein Leben lassen, der in den USA zum Tode verurteilt wurde? Kann man mit einem Mörder befreundet sein? Vier Menschen erzählen, wieso sie ihre Brieffreundschaft mit jemandem in der Todeszelle noch nie bereut haben.«Mein Name ist William Kopsho. Ich bin seit 21 Jahren im Gefängnis. Ich wurde zum Tod verurteilt, weil ich jemandem das Leben genommen habe», sagt ein sympathisch wirkender Mann Mitte 60. Er hat in einem Streit seine Frau erschossen. Nun wartet er in einem Gefängnis im Bundesstaat Florida auf seine Hinrichtung. Einer seiner engsten Freunde wohnt im Kanton Bern. Patrik Gerber ist Mitte 20 und studiert Medizin. Kennengelernt haben sich die beiden über einen Verein namens «Lifespark», der seit fast 30 Jahren Brieffreundschaften mit Menschen in der Todeszelle vermittelt.«Wenn Patrik Urlaub macht oder mit Freunden essen geht, schickt er mir Fotos», erzählt William Kopsho der Sendung «Reporter». «Das gibt mir das Gefühl, dabei zu sein. Und das ist wunderbar. Durch ihn fühle ich mich zwischendurch wie ein freier Mann. Zumindest in meinem Geist.» Patrik Gerber auf der anderen Seite ist durch die Freundschaft mit Kopsho klar geworden, was für ein Privileg es ist, frei zu sein: «Ich schätze und geniesse mein Leben jetzt viel mehr.» Die Tatsache, dass er es mit jemandem zu tun hat, der einen Menschen getötet hat, tut der Nähe keinen Abbruch. Das Delikt sei schnell in den Hintergrund getreten. Aus einem fremden Mörder wurde ein enger Freund.Reporter Simon Christen hat drei Frauen und einen Mann porträtiert, die in der Schweiz leben und einen Brieffreund haben, der in der Todeszelle sitzt. Was hat sie dazu motiviert, einen solchen Menschen in ihr Leben zu lassen? Was gibt ihnen dieser Kontakt? Und wie gehen sie damit um, dass es eine Freundschaft auf Zeit ist? Irgendwann wird der Tag der Exekution kommen. Dann dürfen die Gefangenen Menschen, die ihnen wichtig sind, einladen, dabei zu sein. Auch ihre Brieffreundinnen und Brieffreunde aus der Schweiz.

32mins

14 Sep 2022

Rank #1

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Ode an Berlin

Vier Jahre lang war Bettina Ramseier SRF-Korrespondentin in Berlin. Nun blickt sie – gemeinsam mit Freunden und Wegbegleiterinnen – zurück auf ihr Leben in der deutschen Hauptstadt. Ein persönlicher Film über Widersprüche und Faszination, über eine Stadt, die polarisiert.Inge Schmidt wohnt seit 40 Jahren im Prenzlauer Berg, hat die Verwandlung eines schäbigen Quartiers zum Trend-Ort miterlebt. Die rasante Gentrifizierung hat ihr Freunde genommen – und doch möchte sie nirgendwo anders leben.Kamerafrau Vivian Wang ist in einem Land aufgewachsen, das es nicht mehr gibt. Als die Mauer fiel, war sie ein Teenager. Sie erzählt, wie die DDR sie geprägt und sie ihren Weg in einer neuen Welt gefunden hat.Video-Editor Julius Eisel blickt auf den Hedonismus seiner Stadt und was in den letzten Jahren aus ihm geworden ist. Und Denise Fetzke gewährt Einblicke in den Alltag einer Lehrerin an einer Berliner Brennpunktschule.Sie alle haben Bettina Ramseier während vieler Jahre begleitet und waren Inspiration für ihre Arbeit als Journalistin. Von Berlin hat sie gelernt, wie von keiner anderen Stadt: Über die Geschichte Europas, über Politik, über Armut in einem reichen Land.Denn in Berlin zeigen sich die Versäumnisse der deutschen Regierung besonders deutlich: Eine Wohnpolitik, die internationalem Kapital kaum Grenzen setzt oder eine bürokratische Verwaltung, die Schulen verlottern lässt.Dieser Film ist ein rasantes Kaleidoskop über eine Stadt, die weder lieblich noch besonders schön ist und doch ein Lebensgefühl verkörpert, das jedes Jahr Zehntausende anlockt. Es treffen Freigeist, Toleranz und Rohheit aufeinander. Berlin ist Schmelztiegel und Sehnsuchtsort. Berlin ist Leben – und Leben lassen.

32mins

31 Aug 2022

Rank #2

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Bondo – Der Bergsturz und seine Folgen

Annemieke Buob Müller tut sich schwer. Seit dem Bergsturz müsse sie ihre Emotionen verdrängen und nur noch funktionieren. Ihr Mann Reto Müller steht ihr zur Seite. In seinen Schmerz mischt sich jedoch Genugtuung. Er habe seit langem gewarnt. Aber nur wenige hatten ihn und die Experten hören wollen.Der Bergsturz kam in der Tat nicht unerwartet. Doch als am 23. August 2017 mehr als drei Millionen Kubikmeter Felsen vom Piz Cengalo zu Tal donnerten und ein Murgang aus Schlamm und Wasser das Dorf Bondo bedrohte, erschütterte diese Naturgewalt die Menschen im Bergell in ihrem Innersten.Zum einen waren da die acht Menschen, allesamt Touristen, die am Berg starben. Zum anderen verloren Familien ihr Hab und Gut. Häuser wurden von einem Augenblick auf den anderen zerstört oder zumindest unbewohnbar. Immerhin: Weil Bondo ein Notfallszenario vorgesehen hatte, war das Dorf innert nützlicher Frist evakuiert. Die Bewohner kamen nicht zu Schaden.Welche Auswirkungen aber hat der Bergsturz für die ganze Alpenregion? Wirft er ein neues Licht auf die Siedlungspolitik in den Bergkantonen? Und: Gibt es einen Zusammenhang mit dem Klimawandel? «Reporter» zeigt, welche Folgen der Bergsturz von Bondo für die Menschen im Dorf hat.Erstausstrahlung 10.9.2017

22mins

24 Aug 2022

Rank #3

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Neuanfang - wie kann er gelingen?

Selbstgewählt oder aufgezwungen – ein Neuanfang bedeutet eine Zäsur im Leben eines Menschen. Was ist das Geheimnis eines erfolgreichen Neuanfangs? Wie gelingt ein gesellschaftlicher Neuanfang? Mona Vetsch begibt sich auf Spurensuche.Der Krieg hat tausende Menschen aus der Ukraine vertrieben. Die zweifache Mutter Natalia Kaminska ist eine davon. Seit drei Monaten lebt sie im Reka-Dorf an der Lenk. Vorübergehend. Ihre Tochter Aline geht da zur Schule und möchte in der Schweiz bleiben. Natalia Kaminskas 17-jähriger Sohn hingegen ist noch in der Ukraine. Er will in den Krieg ziehen und kämpfen. Für die Mutter eine unfassbar schreckliche Vorstellung und das grösste Hindernis, um an einen Neuanfang ausserhalb ihrer Heimat zu denken. Noch während der Dreharbeiten wird sie in die Ukraine zurückreisen, um ihren Sohn in die Schweiz zu holen. Ob ihr das gelingen wird?«Du musst das Schicksal annehmen und weitergehen», sagen Ladina und Sven Kindschi. «Nur so gelingt ein Neuanfang.» Auch sie mussten unfreiwillig neu anfangen. Ihr Sohn Emil wurde von einem Traktor überfahren und ist seither schwer behindert. Für die Familie eine grosse Belastung. Die Beziehung des Paars ging in die Brüche. Die Sorge um Emil helfe aber auch, zu fokussieren im Leben: «Unser Bub steht im Zentrum, alles andere ist unwichtig.»Den Entscheid für einen Neuanfang selbst gewählt hat Sarah Schädeli. Sie verliess Hof, Mann und drei Kinder für eine Frau. Obwohl sie wegen der Liebe zu einer Frau viel Häme ertragen musste, bereut die ehemalige Bäuerin ihren Schritt nicht: «Wer nicht wagt, lebt nicht.»Schliesslich trifft Moderatorin Mona Vetsch Menschen, die nicht nur den persönlichen Neuanfang wagen, sondern einen gesellschaftlichen herbeiführen wollen: Freiheitstrychler und Klimastreikende. Was die beiden Gruppierungen verbindet und warum sie trotzdem nie gemeinsam für einen gesellschaftlichen Neuanfang kämpfen würden, erfährt Mona Vetsch in einem Gespräch hautnah: Erstmals debattieren Klimastreikende und Freiheitstrychler an einem Tisch.

1hr 21mins

21 Aug 2022

Rank #4

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Mein Körper und ich

Triggerwarnung: Dieser Film enthält Bilder, die verstörend wirken können. Wir formen und tunen den Körper, lassen ihn hungern oder künstlich verändern. Mona Vetsch geht der Frage nach, welche Beziehung wir zu unserem Körper haben und trifft dabei auf Menschen, die dem gängigen Ideal nicht entsprechen können oder auch einfach nicht wollen.«Ja, ich bin fett», sagt Melanie Dellenbach von sich selbst. Sie habe die Begriffe «dick» und «fett» für sich zurückerobert und möchte damit den Beleidigungen die Macht entziehen. Als sogenannte Fett-Aktivistin hat die Pflegefachfrau der Gewichtsstigmatisierung den Kampf angesagt. Denn gerade mehrgewichtige Menschen haben es in unserer Gesellschaft nicht eben leicht, sie erleben Gewichtsdiskriminierung und Ausgrenzung in fast allen Lebensbereichen.Schlanke, durchtrainierte Bodies sind längst ein Massenphänomen und Garantie für Anerkennung und Likes. Den Körper zu formen, ist für die beiden Natural Bodybuilderinnen Rahel Scherrer und Venesa Sadrijaj eine den Alltag beherrschende Leidenschaft. Muskeltraining, Aufbau- und Diätphasen geben den Takt vor. Wann wird Kalorienzählen zur Sucht? Bei Naera Giaimo begann die Krankheit schleichend und endete fast tödlich. Die 26-Jährige hat zwar ins Leben zurückgefunden, ihre Beziehung zum Körper ist aber nach wie vor kompliziert. Franziska Quadri ist seit einem Gleitschirmunfall vom Hals abwärts gelähmt. Die Tetraplegikerin musste ihren Körper neu kennenlernen. Dazu kommt, dass die Gesellschaft anders, meist mitleidig, auf sie reagiert. Selbstakzeptanz als Befreiungsschlag. Als Mädchen hat sich Andrea Vollgas für ihren Körper geschämt, er entsprach nicht der sogenannten Norm. Heute sieht sie keinen Grund mehr, ihren Körper zu verstecken. Im Gegenteil. Als Illustratorin zeigt Andrea Vollgas mit ihren Bildern, dass es nicht nur Standardkörper gibt, Menschen sind vielfältig und divers. «Das darf man ruhig auch sehen!»

1hr 19mins

14 Aug 2022

Rank #5

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Extremsegler Alan Roura – Allein um die Welt

Der 27-jährige Genfer ist einer der besten Segler der Welt und bestreitet zum zweiten Mal die Vendée Globe. Die Regatta ist risikoreich und gilt als härtestes Rennen der Welt. Der frischgebackene Vater versucht mit seiner Yacht, alleine, nonstop und so schnell als möglich den Globus zu umsegeln.Alan Roura ist erst sechs Jahre alt, als seine Eltern sich entscheiden, alles zu verkaufen, eine Segelyacht zu erwerben und von da an elf Jahre die Weltmeere zu befahren. Zur Schule geht Alan nie. Bis zum Alter von 13 Jahren unterrichtet ihn seine Mutter. Schon als Jugendlicher arbeitet er nur auf ein Ziel hin: Er will sich sein erstes eigenes Boot kaufen.Heute gehört der 27-jährige Genfer zu den besten Einhandseglern der Welt. Im August 2019 stellt er einen neuen Weltrekord für die Atlantik-Überquerung im Einrumpf-Boot auf. Sein grosses Ziel aber ist, an der Vendée Globe das Ziel zu erreichen: möglichst schnell, unversehrt und ohne Schiffbruch.Reporter Florian Zutt hat Alan Roura während zwei Jahren begleitet. Er wird Zeuge, wie Roura sich schindet, plant und vorbereitet. Aber auch wie er seine Partnerin heiratet und zum ersten Mal Vater wird. «Reporter» geht der Frage nach, warum es den Hochsee-Segler immer wieder aufs Meer zieht, er seine Liebsten für Monate allein lässt, und sein Leben riskiert, um bei dieser Nonstop-Weltumsegelung bei den Schnellsten zu sein.

32mins

14 Aug 2022

Rank #6

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Einmal Opfer, immer Opfer?

Betroffene von Gewalttaten sind oftmals schwer traumatisiert und stellen sich immer wieder die Frage: «Warum hat es gerade mich getroffen?» Im Gespräch mit ihnen erfährt Mona Vetsch, dass die Erlebnisse zwar nie vergessen werden, die Betroffenen sich aber oft aus ihrem Opferdasein befreien können.Corinnes T.’s Ehe war ein Albtraum, der zwölf Jahre dauerte: Nach der Geburt des gemeinsamen Kindes fühlte sich ihr Ehemann vernachlässigt, tröstete sich mit Alkohol und wurde gewalttätig. Mehrere Male brach er Corinne T. das Nasenbein und schlug sie spitalreif. Die Demütigungen und Schläge führten dazu, dass Corinne T. jegliches Selbstwertgefühl verlor. «Es war wie eine Gehirnwäsche – ich war überzeugt davon, dass ich nichts wert war und ich dankbar sein musste, dass er sich überhaupt mit mir beschäftigte», erzählt Corinne T. Mona Vetsch. Heute habe sie sich mit Therapie und viel Selbstliebe aus der Opferrolle befreien können. Doch das Erlebte hinterliess auch bei ihrem Sohn Spuren. Darum rät sie Betroffenen: «Wenn ihr nicht wegen euch gehen könnt, geht wegen eurer Kinder!» Denn anders als vermutet, habe das gemeinsame Kind jede einzelne Facette des jahrelangen Terrors mitbekommen.Mona Vetsch trifft auch Bloggerin Morena Diaz. Diese wurde 2018 von einem guten Freund vergewaltigt und machte diese Straftat in den sozialen Medien öffentlich, um das Tabu «sexualisierte Gewalt» zu brechen. Danach erntete sie nicht nur viel Verständnis und Empathie von anderen Frauen und Betroffenen, sondern auch Schuldzuweisungen und Häme: Viele solidarisierten sich mit dem Täter statt mit dem Opfer. Morena Diaz wurde für die Tat verantwortlich gemacht oder gar als Lügnerin betitelt.Auch Walter Nowak wurde nicht geglaubt, was er als kleiner Junge hinter den dicken Mauern des Klosters Fischingen erlebt hatte: Er wurde von einem Pater aufs Schändlichste missbraucht. Doch damit nicht genug: Weil seine schulischen Leistungen als Folge des Missbrauchs absackten, wurde der 14-jährige Walter in die psychiatrische Klinik Münsterlingen eingewiesen und dort – als menschliches Versuchskaninchen – für Medikamentenversuche eingesetzt. Unter den körperlichen Folgeschäden leidet Nowak bis heute. Und auch die seelischen Wunden sind unheilbar. Doch Walter Nowak kämpft bis heute für sein Recht.Mona Vetsch lernt Mobbingopfer Maik Bisquolm kennen, erfährt bei der Opferhilfe beider Basel, warum sich Opfer von Gewalttaten so oft im Stich gelassen fühlen und spricht mit Psychiaterin Rosilla Bachmann darüber, ob und wie Betroffene das Erlebte hinter sich lassen können. Im Gespräch mit Yves Bossart, Moderator von «Sternstunde Philosophie», wird klar, dass sich schon die alten Römer mit Selbstliebe, Resilienz und Vergebung beschäftigt haben und dass es Nietzsche war, der die Weisheit «Was dich nicht umbringt, macht dich stärker», geprägt hat.

1hr 18mins

10 Jul 2022

Rank #7

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Einmal Täter, immer Täter?

Wieso werden Menschen kriminell? Wie bringt man sie zurück auf den rechten Weg? Und was tun, wenn sie unbelehrbar sind? Diesen Fragen geht Mona Vetsch nach.Giorgio kam als 3-Jähriger ins Kinderheim – der Anfang einer Odyssee durch verschiedene Institutionen und Pflegefamilien. Er war schon früh verhaltensauffällig und tat sich schwer damit, Regeln einzuhalten. Als Jugendlicher beging er Bagatelldelikte. Als Volljähriger wurde er zum Serieneinbrecher und verbrachte insgesamt fast zehn Jahre im Gefängnis. Heute ist er dreissig Jahre alt und seit einem halben Jahr auf freiem Fuss. Arbeit hat er noch nicht gefunden. Er hofft auf eine Musik-Karriere. Giorgio möchte unter dem Künstlernamen «Scorp808» Hip-Hop-Star werden. Und wie gross ist die Chance, dass er wieder kriminell wird? «Gering», antwortet er auf Mona Vetschs Frage. «Ich bin älter geworden und kann mir nicht vorstellen, wieder einbrechen zu gehen. Ich habe so viel Zeit verschwendet im Gefängnis. Das will ich nicht mehr.»Hansueli Gürber kennt solche Fälle. Gürber wurde zum wohl bekanntesten Jugendanwalt der Schweiz, weil er den sogenannten «Fall Carlos» betreute. Dass er diesen Fall 2013 in einem «Reporter»-Film publik machte, bereut er heute. Er habe die Brisanz eindeutig unterschätzt. «Der grösste Teil der Arbeit eines Jugendanwaltes sind Bagatell-Sachen», erzählt der inzwischen pensionierte Gürber Mona Vetsch. «Töffli-Geschichten oder ein einmaliger Ladendiebstahl.» Aber es gibt auch schwerere Fälle: zum Beispiel jugendliche Gewalttäter. «Da muss man sicher mit Sanktionen arbeiten», sagt Gürber, «aber man muss das Gewaltproblem auch mit dem Jugendlichen diskutieren. Das Strafen allein nützt nichts.» Vielmehr gehe es in der Regel darum, den Jugendlichen eine Perspektive zu vermitteln. «Das ist für mich auch der zentrale Grund von Jugenddelinquenz: Es hat viele Jugendliche, die sich als grosse Verlierer sehen.»Wer die Kurve nicht bekommt, der landet irgendwann in einem Gefängnis wie der JVA Thorberg. Hans-Rudolf Schwarz, der Direktor des Thorberg, antwortet auf die Frage, wieso Menschen kriminell werden: «Das ist so verschieden wie die Lebenswege. Gewisse sind durch alle sozialen Maschen gefallen. Die haben das Elternhaus verlassen, die Schule und die Lehre abgebrochen. Und dann sind sie in Kontakt mit Drogen gekommen.» Andere seien Persönlichkeiten, die meinten, sie könnten 100'000 pro Monat verdienen. Weiter gebe es Illegale, die kein Einkommen hätten und darum kriminell würden. Und schliesslich auch Menschen mit psychischen Krankheiten.

1hr 25mins

3 Jul 2022

Rank #8

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Synchronschwimmen – Zwischen Eleganz und Erniedrigung

Anouk, Fabienne und Aline waren jahrelang im Schweizer Nationalkader des Synchronschwimmens und haben an Welt- und Europameisterschaften teilgenommen. Sie haben mit den «SRF Investigativ»-Reporterinnen Maj-Britt Horlacher und Nina Blaser über die Abgründe in diesem Sport gesprochen.Synchronschwimmen verlangt von den Mädchen und jungen Frauen – und es sind auch heute noch fast ausschliesslich Frauen – extrem viel ab. Die Trainings und der Umgang im Hallenbad sind hart, nicht selten übers erträgliche Mass hinaus. Das wissen Anouk, Fabienne und Aline aus jahrelanger Erfahrung. Alle drei sind im Kanton Bern aufgewachsen, alle drei haben schon in jüngsten Jahren mit Synchronschwimmen begonnen. Bald kamen die ersten Wettkämpfe. Physische und psychische Übergriffe hätten zum Alltag gehört, erzählen sie, «so ist das Synchro-Leben».Es klingt nach Déjà-vu: Im Herbst 2020 gab es schon einmal einen riesigen Knall im Schweizer Sport. Im Kunstturnen und in der Rhythmischen Sportgymnastik wurden Missstände aufgedeckt; Athletinnen, die eingeschüchtert und erniedrigt worden waren. Die sogenannten Magglingen-Protokolle. Es gab einen Aufschrei, die Politik reagierte. Bundesrätin Viola Amherd zeigte sich persönlich betroffen. Bundesrätin Amherd rief eine neue Beschwerdestelle ins Leben. Und auch ein Gutachten gab sie in Auftrag. Dieses zeigte grobe Verstösse in mehreren Sportarten. Und wörtlich: Artistic Swimming – so wird Synchronschwimmen offiziell genannt – schnitt am schlechtesten ab. Im Gutachten ist die Rede von «signifikant höheren Werten psychischer Gewalt». Etwa Anschreien, Beschimpfen, Drohen. Auch physische Gewalt wird erwähnt, anzügliche Bemerkungen und Dauerbelastungen. Am Schluss heisst es: Im Artistic Swimming bestehe grundsätzlich Handlungsbedarf. Das war im letzten Herbst.Was ist seither passiert? Die Recherchen der «SRF Investigativ»-Reporterinnen Maj-Britt Horlacher und Nina Blaser zeigen: Synchronschwimmen hatte und hat grundsätzliche Probleme. Etwa: Was macht dieser Sport mit jungen Frauen und ihrer Beziehung zum eigenen Körper? Dieser Frage wollte Anouk genauer nachgehen und schrieb ihre Maturaarbeit über das Thema Essstörungen im Synchronschwimmen. Dafür verschickte sie Fragebögen an Schweizer Trainerinnen und Schwimmerinnen. Das Fazit ihrer Maturaarbeit: Essstörungen sind weit verbreitet. Und: Die Trainerinnen haben einen grossen Einfluss darauf, ob junge Athletinnen eine ungesunde Beziehung zum Essen entwickeln.

32mins

29 Jun 2022

Rank #9

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Familie mit ALS-Diagnose

Mit 40 Jahren erhält Dennis Schneider die Diagnose der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe-Lateralsklerose). Seine Frau Daniela und er entscheiden sich, trotz verkürzter Lebenserwartung eine Familie zu gründen. Seither kämpfen sie für ein selbstbestimmtes Leben trotz ALS-Diagnose.Die Geschichte beginnt 2013. Dennis und Daniela werden ein Liebespaar. Sechs Monate später diagnostiziert man bei Dennis die unheilbare Nervenkrankheit ALS, mit einer Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren. Die beiden heiraten und gründen eine Familie. Während die Tochter an Lebenskraft gewinnt, baut der Vater ab. Doch die Familie kämpft für ein selbstbestimmtes Leben.Heute ist Tochter Melissa 5-jährig und Dennis fast komplett gelähmt. Er kann noch sprechen, schlucken und mit einem Finger die Maus des Computers bedienen. Einschränken lässt sich der ehemalige Volleyballspieler von der Krankheit nicht. Er ist Assistenztrainer beim Volleyballclub BTV Aarau und so oft es geht mit Tochter Melissa draussen unterwegs. «Ich bin ein hoffnungsloser Optimist. Wegen der Krankheit den Kopf in den Sand zu stecken, bringt ja nichts.»Assistenzpersonen und Spitex unterstützen die Familie. Davor lastete das meiste auf der heute 35-jährigen Daniela. Die Mehrfachbelastung als Mutter, Arbeitstätige und Pflegerin führten sie in eine Krise. «Manchmal sehe ich keinen Sinn im Leben und denke, dass ich nie glücklich werde im aktuellen Umfeld. Dann wünsche ich mir eine normale Familie.» Durch einen Reha-Aufenthalt findet die Mutter zurück ins Gleichgewicht und lernt, sich trotz pflegebedürftigem Ehemann und Tochter ihre eigenen Auszeiten zu nehmen.

32mins

22 Jun 2022

Rank #10